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Über den Umgang mit der Corona-Informationsflut und die Pandemiebekämpfung

Katharina U. Siebenhaar, Anja K. Köther und Georg W. Alpers, Universität Mannheim

Seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie dominiert dieses Thema die Nachrichten. Insbesondere digitale Medien tragen entscheidend zu der schnellen und kontinuierlich Verbreitung von Informationen bei. Es ist derzeit nicht möglich, sein E-Mail-Postfach zu öffnen oder in einem sozialen Netzwerk online zu sein, ohne mit Informationen zum Thema Corona konfrontiert zu werden. Doch wie wirkt sich diese Informationsflut auf uns aus? Fühlen wir uns durch die umfangreiche Berichterstattung zunehmend gestresst und wenn ja, hat dies Konsequenzen für unseren Umgang mit Informationen und für unser Verhalten in der Krise? Diesen Fragen sind wir im Rahmen unserer jüngsten Studie an der Universität Mannheim, publiziert in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology, nachgegangen.

Aus der bisherigen Forschung zu Naturkatastrophen und Pandemien wussten wir bereits, dass die Auseinandersetzung mit bedrohlichen Nachrichten unser Verhalten und unser Wohlbefinden beeinflussen kann. Beispielsweise geht ein hoher Nachrichtenkonsum über bedrohliche Ereignisse oft mit kurz- und langfristiger psychischer Belastung einher (Pfefferbaum et al., 2014). Neben diesen negativen Einflüssen auf die psychische Gesundheit der Betroffenen wirken sich Stress und Belastung auch auf unser Verhalten aus (Jones & Salathe, 2009). So reagieren Menschen sehr unterschiedlich, wenn sie mit bedrohlichen Informationen konfrontiert werden. Einige setzen sich mit belastenden Informationen auseinander, um entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Andere hingegen vermeiden belastende Informationen bewusst, um negative Gefühle zu reduzieren oder zu umgehen (Sweeny, Melnyk, Miller, & Shepperd, 2010). Letzteres – die Strategie des Vermeidens – ist eine naheliegende, jedoch oft auch problematische Reaktion. Unmittelbar reduziert Vermeidung zwar unangenehme Gefühle, langfristig überwiegen jedoch negative Konsequenzen; Ängste werden aufrechterhalten und die Bewältigung von Situationen erschwert (Lovibond, 2006). Auch in der ‚Corona-Infodemie‘ ist Vermeidung kritisch, da es gilt, relevante Informationen herauszufiltern, um sich selbst und andere schützen zu können.

Die Ergebnisse unserer Studie mit 1059 Teilnehmenden zeigen, dass Menschen, die durch die Informationsflut gestresst sind, sich im Allgemeinen besser an die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie halten. Vermeiden belastete Betroffene jedoch Informationen, um ihren Stress zu reduzieren, halten Sie die Verhaltensmaßnahmen schlechter ein. Dies belegt, dass die Informationsflut direkte und indirekte Auswirkungen auf das Verhalten der Menschen in der Krise hat.

Darüber hinaus spielen das Vertrauen in Informationsquellen und die digitale Gesundheitskompetenz des Einzelnen eine entscheidende Rolle. Menschen, die höheres Vertrauen in die von Ihnen genutzten Informationsquellen haben, vermeiden Informationen seltener, selbst wenn diese für sie belastend sind. Dies zeigt, dass Vertrauen in Medien und Informationsquellen sehr wichtig sind bei der Bekämpfung der Pandemie. Digitale Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit einer Person, online Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und anzuwenden. In unserer Befragung ging höhere digitale Gesundheitskompetenz mit geringerer Belastung durch Informationen einher. Zudem berichteten Menschen mit höherer digitaler Gesundheitskompetenz, dass sie Informationen zu Corona seltener vermeiden.

Es wäre wünschenswert, dass Strategien entwickelt werden, um Menschen zu motivieren, sich weiterhin auf die zahlreichen Informationen einlassen. Geeignete Maßnahmen um das Vertrauen in relevante Informationen einerseits und die individuelle digitale Gesundheitskompetenz andererseits zu verbessern, sollten genutzt werden.

Link zur Studie: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2020.567905/full


Literatur:

Jones, J. H., & Salathe, M. (2009). Early assessment of anxiety and behavioral response to novel swine-origin influenza A (H1N1). PLoS ONE, 4(12), e8032. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0008032

Pfefferbaum, B., Newman, E., Nelson, S. D., Nitiéma, P., Pfefferbaum, R. L., & Rahman, A. (2014). Disaster media coverage and psychological outcomes: Descriptive findings in the extant research. Current Psychiatry Reports, 16, 464. https://doi.org/10.1007/s11920-014-0464-x

Sweeny, K., Melnyk, D., Miller, W., & Shepperd, J. A. (2010). Information avoidance: Who, what, when, and why. Review in General Psychology, 14(4), 340–353. https://doi.org/10.1037/a0021288

 

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